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Kunsttagebuch: Womit das Gehirn Bedeutung kreiert
Abstraktion ist die Fähigkeit des Menschen, über den Einzelfall hinaus Muster zu erkennen und Modelle daraus zu machen. Anstatt zum Beispiel einen einzelnen Menschen, seine Wahrnehmung und sein Verhalten zu betrachten und zu beurteilen, entwickelt man ein Modell, das Verhalten und Wahrnehmung der Spezies Mensch insgesamt abbildet und auf seine Grundzüge reduziert. Es stellt sich…
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Kunsttagebuch: Kunst und Glaube als Mittel der Sinnstiftung
Menschliches Leben zumal in einer Kulturgemeinschaft strebt nach Sinn. Sinn ist ein Erklärungsmuster, oft genug ein Welt-Erklärungsmuster. Bezogen auf ein Menschenleben und seine Herausforderungen mündet die Sinnsuche ein System, das die Realität oder das, was hinter der wahrnehmbaren Realität verborgen liegen mag, erklärt. Was aber nicht direkt und erfahrbar erklärt werden kann, wird in ein…
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Kunsttagebuch: Wie schön ist die Wahrheit, wie hässlich die Lüge?
Kunst strebt nach Wahrheit. Als Wahrnehmungs- und Wiedergabemethode betrachtet die Kunst die Welt und interpretiert sie. Das Ergebnis wird rezipiert und reiht sich ein in all die Versuche, der Welt und ihrer Abbildbarkeit gerecht zu werden. Wer dabei eine Sichtweise etabliert, die letztlich anerkannt wird, dem wird zugeschrieben, das Bewusstsein zu erweitern, weil er die…
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Kunsttagebuch: Position und Beliebigkeit
An der Popmusik ist es am klarsten zu beobachten: Austauschbarkeit und Beliebigkeit haben Raum gegriffen. Eine originelle künstlerische Position ist Mangelware. Das Problem der nicht eindeutigen, originellen Position ist weit verbreitet auch in der Kunst. Eine Zeiterscheinung? Die Popmusik ist das kommerzielle Haifischbecken als Abgrenzungspunkt für die Kunst. Popmusiker nennen sich „Künstler“. Ihrem Selbstbild gemäß…
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Kunsttagebuch: Zwischen Geist und Motorik – Kunst als Software oder Hardware
Um etwas analytisch betrachten zu können, zerlegt der Mensch komplexe Sachverhalte wie Abläufe oder Mechanismen in ihre kleineren Bestandteile. Diese Einzelteile, die das Denken erfassen können, bilden aber nie die tatsächliche Gesamtheit des Geschehens ab. So verzerren sie die Realität, indem sie Einzelteile zeigen, deren Zusammenhänge in dieser separierten Form nicht unbedingt zu verstehen sind.…
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Kunsttagebuch: Unterhaltung und Herausforderung, Anspruch und Flucht
Seit jeher wird über zwei Arten von Kultur gesprochen: Über hochstehende Kultur, gekennzeichnet durch ein „E“, stellvertretend für den Kuss der „ernst(haft)en“ Muse, und über „unterhaltende“ Kultur, gekennzeichnet durch ein „U“. Man liest dann in Beiträgen immer nur von „E & U“, wie man ähnlich kurz immer wieder wie selbstverständlich über die „K.u.K“-Zeit in Österreich…
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Kunsttagebuch: Wirklichkeit und Relevanz
Es gibt ein Spannungsfeld zwischen dem, was die Wirklichkeit sein mag und dem, was als Wirklichkeit wahrnehmbar ist. Man kann davon ausgehen, dass es weder eine biologische noch eine technisch bedingte Wahrnehmung geben kann, die die Wirklichkeit in ihrer Vollständigkeit oder bezüglich ihrer verobjektivierbaren Eigenschaften erfassen kann. Warum wäre es für den Menschen aber nicht…
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Kunsttagebuch: Kunst als Materialismus-Gegenentwurf
Auch wenn die Existenz von Geld und Kapital eine lange Geschichte hat, ist der Kapitalismus als gesellschaftliches Profit-Maximierungs-System relativ jung und so betrachtet eine Besonderheit in der Menschheitsgeschichte – auch wenn die ersten geprägten Münzen schon etwa 650 v. Chr. im damaligen Königreich Lydien, das auf dem Gebiet der heutigen Türkei lag, entstanden sind. Doch…
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Kunsttagebuch: Künstler, Werk, Methodik – wodurch wird etwas zu Kunst?
Warum ist etwas Kunst oder wird etwas zu Kunst? Warum wird Anderes nicht als Kunst angesehen oder ist umstritten? Was also unterscheidet Kunst von Nicht-Kunst? Das entscheidende Kriterium ist die Beschaffenheit des Kunstwerkes selbst – bzw. des Kunst-Zyklus oder des gesamten Œuvres einer Künstlerin/eines Künstlers. Aber kann die Fixierung auf das Werk allein der künstlerischen…